Schujansbesch – Cactusbesch

Spezifität

Biotoptypen: Waldgebiete, Feuchtwiesen, Silikatmagerrasen und Heideflächen

Fläche: 41,85 ha

Gemeinde: Clervaux

Lage des Grundstücks der Stiftung

Schujansbesch - Cactusbesch

Schujansbesch - Cactusbesch in Bildern

Beschreibung des Naturschutzgebietes

Gelegen in der Gemeinde Clervaux in der Sektion HA von Lieler befindet sich der sogenannte „Schujansbësch“. Als Nordhang gelegen zwischen dem „Reibaach“ in der Talaue und einem Hochplateau bei Lieler bietet das Gebiet eine Vielzahl an unterschiedliche Biotope. Der Reibaach bildet die Grenze zwischen den Gemeinden Clervaux und Weiswampach sowie auf einigen wenigen Kilometern zwischen Luxemburg und Belgien.
Beim Schujansbësch handelt es sich mit 41,85 ha um den größten Komplex an Waldflächen, welcher im Besitz der Stiftung natur&ëmwelt ist. Der östliche Teil des Gebietes, genannt „im Birkenfeld“ ist Teil des Natura 2000 Netzwerkes „LU0002003 Vallée supérieure de l’Our et affluents de Lieler à Dasbourg“ und des Gebietes „LU0001002 Vallée de l’Our de Ouren à Wallendorf-Pont“.

 

Abholzen um einen neuen Wald zu erschaffen!

Ein Großteil der aktuellen Waldbestände im Besitz der Stiftung geht aus Kahlschlägen von Fichten hervor, welche nach und nach durch Anpflanzungen sowie natürlicher Sukzession in Laubwälder umgewandelt wurden. Der Aufkauf von Kahlschlägen im Schujansbësch führte in den 90er zu einigen kontroversen Diskussionen. Trotz der Kritik konnte die Biodiversität des Gebietes verbessert werden, was auch daran lag, dass erst die Größe dieser Flächen eine angepasste Bewirtschaftung zuließ.

20,6 ha des Gebietes wurden nicht neu angepflanzt, sondern sich selbst überlassen. Die natürliche Sukzession im östlichen Teil des Gebietes sorgt dafür, dass die anfangs aufkommende Krautschicht nach und nach von Pionierbäumen und Sträucher wie etwa Birken, Weiden oder Vogelbeeren verdrängt wurde. Diese Pflanzen profitierten eindeutig vom Lichteinfall, welcher in geschlossenen, dunklen Wäldern, nicht möglich ist. In einer nächsten Phase wuchsen als Begleitpflanzen verschiedene Sträucher und Hecken, welche sich im Schatten der mittlerweile hochgewachsenen Bäume wohlfühlten. Ein sogenannter Rotbuchenwald ist der ideale Zustand, bevor die natürliche Sukzession aufgrund des Absterbens schwächerer Bäume oder Stürme von neuem einsetzt.
Im westlichen Teil des Gebietes wurde eher angepflanzt und dies in verschiedenen Etappen. Es handelt sich in erster Linie um Buchen und Eichen, aber auch Ahorn oder Eschen unterstreichen die Artenvielfalt der Waldreserve.

 

Wiederherstellung der Kulturlandschaft

Zentral gelegen, auf dem Hochplateau von Lieler im sogenannten Ort „In Geischnast“, hat die Renaturierung der Heidefläche ein seltenes Biotop zurückgebracht, welches früher typisch war für die Region der Luxemburger Ardennen. Der Verbuschung wird auch heute noch durch manuelle Arbeiten sowie der Beweidung durch eine Schafherde von 200 bis 300 Tieren entgegengewirkt.
3,6 ha der Feuchtwiesen entlang des Reibaachs waren mit Fichten bepflanzt. Diese wurden 2005 entfernt wodurch Offenland entstand. Diese feuchten Flächen werden durch extensive Beweidung offengehalten und schaffen somit im Tal ein Mosaik aus verschiedensten Lebensräumen.

 

Das Gebiet ist mittlerweile auch als „Cactusbesch“ ein Begriff. Ein vom Supermarkt Cactus finanzierter Lehrpfad bringt den Wanderer die verschiedenen Waldlebensräume näher und lädt zu einem wunderschönen Ausflug hoch im Norden des Landes ein.

Habitate, Fauna und Flora

Die unterschiedlichen Sukzessionsstadien der Waldbestände schaffen einen Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren. Waldbewohner wie Wild (Rothirsch, Reh, Wildschwein), Fledermäuse oder Kleinräuber finden hier hervorragende Bedingungen. Auch Wälder bewohnende Vögel wie etwa Eulen, Sperber oder Spechte finden in den verschiedenen Baumarten, Laubwäldern, Hecken oder Weiden ein zuhause. Die offenen Bereiche um den Réibaach und die Feuchtwiesen bilden interessante Lebensräume für Schmetterlingsarten. So war das Gebiet früher bekannt für das Vorkommen des Blauschillernden Feuerfalters (Lycaena helle), welcher leider mittlerweile entlang der östlichen Grenze nicht mehr festgestellt werden konnte. Immerhin finden sich in den feuchten Mähwiesen noch seltene Pflanzen wie der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) oder das Sumpf-Blutauge (Comarum palustre).

Heideflächen gelten momentan zu den seltensten Biotopen in Luxemburg. Die Wiederherstellung dieser Kulturlandschaften bietet einen spannenden Lebensraum insbesondere für Reptilienarten wie etwa der Schlingnatter (Coronella austriaca).