Kaleburn

Spezifität

Biotoptyp: Feuchtwiesen und –brachen, Torfmoor

Fläche: 10,34 ha

Gemeinde: Wintger

Lage des Grundstücks der Stiftung

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Kaleburn in Bildern

Beschreibung des Naturschutzgebietes

Gelegen in der Gemeinde Wintger, erstreckt sich in unmittelbarer Umgebung zur Ortschaft Hoffelt das Naturschutzgebiet Kaleburn auf über etwa 80 Hektar. Neben einem Komplex an Feuchtwiesen, welche ein Rückzugsort für seltene Amphibien- und Schmetterlingsarten sind, ist das Gebiet vor allem als Reliktstandort eines alten Torfmoores bekannt. Das Gebiet wurde am 28.02.2017 als Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung klassifiziert und ist Teil des Natura 2000-Netzwerkes.

Doch nicht nur bezogen auf das Naturerbe hat das Gebiet viel zu bieten: Immerhin kann man hier die Überreste des sogenannten Hoffelter Kanals besuchen, welcher als kulturelles Erbe der Region eine interessante Geschichte besitzt.

 

Ein Kanal zwischen Meuse und Mosel: ein verwegenes, doch unvollendetes Projekt

1825 reifte bei Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg, damals König der Niederlande und des Großherzogtums Luxemburg, die Idee, einen Kanal zwischen Meuse und Mosel zu bauen um die Ortschaften Lüttich und Wasserbillig miteinander zu verbinden. Diese Idee wurde schnell Wirklichkeit und konkrete Pläne entstanden. Vorgesehen war ein Kanal von 300 km Länge, ausgestattet mit über 200 Schleusen, um die Höhenmeter zu überwinden. Die arme Bevölkerung der Ardennen, welche zu dieser Zeit unter einer schweren Wirtschaftskrise leiden musste, erhoffte sich durch diesen Kanal neue Impulse für die Region. Man muss bedenken, dass es zu dieser Zeit eigentlich nur 2 Transportmittel gab um Güter von A nach B zu bringen: Pferdekutschen und Boote. Da die ersten Züge erst 1859 durch Luxemburg fuhren, war die Vorstellung eines neuen befahrbaren Transportweges auf dem Wasser zwischen Lüttich und Wasserbillig natürlich eine interessante Vorstellung.

Das Herzstück des Kanals sollte zwischen den Ortschaften Buret und Hoffelt entstehen. Getrennt durch eine Wasserscheide mit unterschiedlichen Einzugsgebieten gab es an diesem Standort nur eine Möglichkeit um den Kanal zu bauen: er sollte unterirdisch verlegt werden. Nach dreieinhalb Jahren Arbeit waren bereits 1.130 m der vorgesehenen 2.528 m an diesem Standort fertiggestellt. Doch die belgische Revolution machte der Vollendung einen Strich durch die Rechnung, die Angestellten legten ihre Arbeit nieder. Die Erschaffung einer politischen Grenze zwischen Luxemburg und Belgien sowie der Bau der Eisenbahn im Jahre 1839 beendeten endgültig die verwegenen Pläne.

Doch auch heute sind die damaligen Arbeiten noch sichtbar und Wanderwege erlauben es, den Hoffelter Kanal und seine beeindruckende Geschichte zu besuchen.

Habitate, Fauna und Flora

Umgeben von Nadel- und Laubwäldern befindet sich im Zentrum des Gebietes ein artenreiches Feuchtgebiet. Aufgrund der besonderen Lage (Hochplateau, undurchlässige Bodentypen, erhöhter Niederschlag, niedrige Temperaturen) konnte sich an dieser Stelle ein Niedermoor entwickeln, weshalb man hier Arten wie die Moor-Birke (Betula pubescens) oder Torfmoose antreffen kann. Untersuchungen haben ergeben, dass im Kaleburn insgesamt 61 Moos-Arten, darunter 19 Torfmoose, vorkommen, weshalb das Gebiet als „Hot-Spot“ Luxemburgs im Bereich der Bryologie (Wissenschaft von Moosen). Da die sogenannten Torfmoose in Luxemburg eine absolute Seltenheit sind, ist es unabdingbar dieses Gebiet auf nationaler und europäischer Ebene zu schützen.

Neben der Moorbirke sind auch weitere typische Pflanzen der Feuchtwiesen im Kaleburn vertreten: Spitzblütige Binsen (Juncus acutiflorus), Blasen-Segge (Carex vesicaria), Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium), Sumpf-Veilchen (Viola palustris), schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium), Sumpf-Blutauge (Comarum palustre) oder auch der Fieberklee (Menyanthes trifoliata). Typisch sind auch die Schlangen-Knöterich-Bestände, welche als Wirtspflanze des Blauschillernden Feuerfalters (Lycaena helle) und Randring-Perlmuttfalter (Boloria eunomia) essentiell für deren Vorkommen sind. So ist das Gebiet in der Entomologie vor allem dadurch bekannt worden, dass hier 1978 die erste Beobachtung von Lycaena helle auf luxemburgischen Territorium von Marcel Hellers gemacht wurde.

Eine echte Seltenheit für das Ösling ist schlussendlich das Vorkommen des Kammmolches (Triturus cristatus). Im Gutland mittlerweile wieder stärker vertreten, ist diese größte Molchart Luxemburgs im Norden des Landes extrem selten und kommt nur noch im Kaleburn vor.