Unsere traditionellen Obstsorten in Gefahr!

Schwebsange, den 23. September. Auch wenn zur Zeit viele "Bongerten" voller Äpfel- und Birnen liegen, so soll dies nicht darüber hinweg täuschen, dass die traditionellen Bongerten und damit viele alte Obstsorten in Luxemburg akut bedroht sind. Auf der Pressekonferenz in der Scheune des Mediterranen Gartens in Schwebsingen haben Experten von natur&ëmwelt auf das Obstsortensterben hingewiesen. natur&ëmwelt / Fondation Hëllef fir d'Natur bemüht sich mit vielen Projekten seit über 20 Jahren zum Erhalt von Bongerten und zur Sicherung der regionalen Sortenvielfalt. Die aktuelle Sortenausstellung in Schwebsingen dient als Anlass, die Sortenvielfalt lebendig präsentieren zu können und aktuelle Projekte zur Umsetzung des bereits vor einem Jahr von natur&ëmwelt  vorgestellten Aktionsplans Bongerten zu präsentieren.

 

Bongerten sind ein Teil unserer Kulturlandschaft

Gab es um 1900 etwa 1,3 Millionen Obstbäume in Luxemburg, so waren es nach Zählung von natur&ëmwelt Anfang der 1990er Jahre nur mehr 245.000. Diese Zahl ist sicherlich noch weiter gesunken, trotz den vielen Pflanzungsaktionen in Gemeinden und  Gemeindesyndikaten und der finanziellen Förderung bei Pflanzung und Unterhalt.

Bongerten mit Hochstämmen sind nicht nur extrem artenreiche Lebensräume in unseren intensiv genutzten Kulturlandschaften, sie bereichern das Landschaftsbild und stellen damit eine wichtige Grundlage für neuere Formen des Tourismus dar (z.B. LEADER-Projekt POMARIUM im Miselerland). Kenntnis und Erhalt alter Sorten spielen dabei eine zentrale Rolle, haben sich diese Sorten doch über Jahrzehnte bis Jahrhunderte bereits im extensiven Hochstammanbau bestens bewährt. Sortenerhalt und Bongertenerhalt gehen folglich Hand in Hand.

 

Reich an Sorten

Eine Auswertung von natur&ëmwelt von 20 alten Baumschulkatalogen aus Luxemburg zwischen 1909 und 1962 ergab, dass in diesem Zeitraum mindestens 600 Obstsorten im Anbau waren. Verteilt auf die verschiedenen Obstarten waren dies etwa 170 Apfelsorten, 140 Birnensorten, 90 Zwetschen-, Pflaumen-, Mirabellensorten, 60 Süßkirschensorten, 25 Sauerkirschensorten, 70 Pfirsichsorten, 40 Aprikosensorten und 10 Quittensorten. Mit dabei waren auch regionale Besonderheiten wie der Trierer Rieslingapfel, die Großherzogspflaume, die Kirsche „Früheste aus dem Trintingertal" und die Aprikose „Triumph aus Trier", die heute allesamt als verschollen gelten.

Abgesehen davon, dass alle luxemburgischen Baumschulen derzeit keine eigene Obstbaumvermehrung mehr durchführen und die jungen Obstbäume importiert werden, ist das verfügbare Sortenangebot auf einen Bruchteil der einst vorhandenen Vielfalt geschrumpft. Häufig werden heute „moderne" Sorten angeboten, die man aus dem Supermarkt kennt. Diese haben jedoch hohe Ansprüche an Pflege und Pflanzenschutz und bereiten ihren Besitzern durch hohe Krankheits- und Schädlingsanfälligkeit wenig Freude.

 

Alte Obstsorten haben geschmackliche Vielfalt und sind gesünder!

Den meisten Verbrauchern ist klar, dass Äpfel nicht nur ein Genuss, sondern auch  gesund sind. Das trifft zwar auch auf moderne Tafelapfelsorten aus dem Handel zu, viele alte Sorten weisen allerdings eine weit größere geschmackliche Vielfalt und deutlich höhere Gehalte an wertgebenden Stoffe auf. So wurden viele  Sorten in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit dem CRP-Lippmann auf ihre Inhaltsstoffe untersucht. Es zeigt sich dabei, dass besonders alte Sorten von Wirtschafts- oder  Mostäpfeln einen Gehalt an Polyphenolen besitzen, der rund fünf- bis zehnmal höher ist als bei marktgängigen Tafeläpfeln. Polyphenole sind Stoffe, die die Gesundheit fördern. So haben Forscher nachgewiesen, dass Polyphenole das Risiko von Darmkrebs und entzündlichen Darmerkrankungen senken können. Auch Apfel-Allergiker haben mit Mostäpfeln weniger Probleme. Aus diesem Grunde lohnt es sich, sowohl im eigenen Garten, aber auch in Bongerten alte Sorten anzupflanzen. Auch spielen die alten Obstsorten eine wichtige Rolle bei der Erhaltung von Genressourcen.

Unsere Schwerpunkte der nächsten Jahre zur Erhaltung der Obstsorten sind somit vorgegeben. Einen Teil der Arbeit konnten wir mit finanzieller Unterstützung von Gemeinden sowie dem Nachhaltigkeitsministerium starten. In unserem Aktionsplan Bongerten haben wir vorgerechnet, dass wir etwa 35 ha an Bongerten pflanzen müssen, die vor allem der Erhaltung der Sorten dienen sollen. Für das Bestimmen von Sorten, Sammeln von Edelreisern, Veredeln, Pflanzen der Bäume und den Unterhalt dieser Bongerten würden wir pro Jahr in den nächsten 10 Jahren 100.000 bis 200.000 € benötigen. So würden wir in Luxemburg einen Teil der Verantwortung übernehmen, das Obstsortensterben wenigsten zu bremsen.

 

Den Aktionsplan Bongerten von natur&ëmwelt ist auf www.bongert.lu abrufbar.

 

 

Die Süßkirschensorte „Rouja" ist eine der Hauptsorten im Trintinger Tal und bei den Leuten vor Ort noch bekannt.

 

 

Eine Besonderheit des Trintingertals: die sogenannten „rotbunten" Kirschen. Das Foto zeigt neun verschiedene rotbunte Sorten. 

 


Die „Duerderer" ist eine Sorte der südlichen Moselgegend und wird von Brennereien sehr geschätzt. 

 

 

 

Die Karschnatzpromm ist vor allem im Ösling verbreitet. Sie ist eine frühreifende Pflaume, die vor allem für Marmelade und Kompott verwendet wird.

 

 

 

Im Trintingertal werden die Kirschen gelegentlich noch gewerblich genutzt. Neben dem Frischverzehr werden die Kirschen vor allem zu Obstler verarbeitet. 



 

 

Das Team von natur&ëmwelt versucht, möglichst viele regionaltypische Sorten zu erfassen und zu erhalten. Dabei ist die Mitarbeit von lokalen Bongertenbesitzern ein wichtiger Aspekt.

 

Obstsortenverkostung in Schwebsingen am 23. Oktober 2011

 

 


<< retour

Agenda

02.07 

Fête de famille: 20 ans d'activités nature avec enfants

03.07 

En route avec le berger

08.07 

La vallée de la Syre entre Syren et Medingen

09.07 

Chantier nature: Aidons le Cuivré de la bistorte

10.07 

Abeilles dans le parc

12.07 

Jeux olympiques en forêt

twitter

youtube


  Inscrivez-vous à notre   Newsletter