Kampagne "Ouni Pestiziden" 2016: Pilotprojekt pestizidfreie Blumen
Seit 2008 setzt sich die Kampagne "Ouni Pestiziden" für den Verzicht des Pestizideinsatzes im staatlichen und kommunalen Raum sowie in privaten Haushalten und in der Landwirtschaft ein. Der größte Teil unserer Arbeit liegt in der Sensibilisierung und der fachlichen Unterstützung von öffentlichen Behörden und politischen Verantwortlichen, von Planungsbüros, Gärtner- und Landschaftspflegebetrieben, Bürgern und sonstigen Akteuren, die direkt oder indirekt mit Pestiziden in Berührung geraten. Zu den Partnern und Unterstützern der Kampagne zählen sowohl Natur- und Umweltschutzorganisationen, als auch privatwirtschaftliche Betriebe, öffentliche Verwaltungen, Ministerien und Naturparks.
Am 18. März 2016 wurde die Woche "ohne Pestizide" offiziell in Betzdorf lanciert. Dabei waren unter anderem: Carole Dieschbourg (Umweltministerin), Elisabeth Kirsch (natur&ëmwelt) und Edgar Arendt (Betzdorfer Bürgermeister).
"Semaine sans pesticides"
Während der internationalen "semaine sans pesticides", dem zentralen Termin für die Kampagne, werden alljährlich vom 20. bis zum 30. März eine ganze Reihe an Informationsveranstaltungen organisiert und alle Akteure aufgerufen, aktiv Sensibilisierungsarbeit zu leisten.
Pilotprojekt pestizidfreie Blumen
Hintergrund: Durch den Artikel 11 des Pflanzenschutzmittelgesetzes vom 19. Dezember 2014 ist der Gebrauch von solcher Mittel auf öffentlichen Flächen ab dem 1. Januar 2016 verboten. Vielen ist jedoch unbekannt, dass auch Zierpflanzen meist mit Pflanzenschutzmitteln belastet sind. Dies zeigten unter anderem Analysen von Greenpeace Luxemburg und natur&ëmwelt aus dem Jahr 2014. Blumen und Pflanzen erfüllen nicht nur ästhetische Funktionen, sondern bieten auch eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und Kleintiere. Mit Pestiziden behandelte Pflanzen stellen demnach eine tückische Nahrungsquelle für diese Lebewesen (wie beispielsweise Bienen und Schmetterlinge) dar. Um den Naturraum konsequent vor chemischen Gefahrenstoffen zu schützen, müssen auch Zierpflanzen in Zukunft pestizidfrei produziert werden.
Ziel ist es, die
nationale Produktion von pestizidfreien Pflanzen zu fördern und somit den
urbanen Raum wieder ein Stück pestizidfreier zu gestallten. Eine Umfrage bei
den Luxemburger Gemeinden hat ergeben, dass die große Mehrheit der Gemeinden
bereit ist, auf pestizidfreie und in Luxemburg angebaute Pflanzen
zurückzugreifen. Dieses Projekt gliedert sich an eine kreislauftwirtschaftliche
Denkweise an, wobei gezielt eine lokale Produktion und gleichzeitig ein
regionaler Vertrieb aufgebaut werden sollen. Die Zusammenarbeit zwischen den
verschiedenen Produzenten und Abnehmer soll durch einen regelmäßigen
Erfahrungsaustausch ergänzt werden, um somit gemeinsam den Sektor des
nationalen Zierpflanzenbaus weiter zu stärken und auszubauen.
Teilnehmende Gemeinden müssen eine Charta unterschreiben, eine Abschiedserklärung, in welcher sie sich bereit erklären, auf pestizidfreie Pflanzen zurückzugreifen, soweit dies möglich ist (in Abhängigkeit mit dem vorhandenen Angebot). In Zukunft soll eine regelmäßig durch die Projektinitiatoren veröffentlichte Landkarte die teilnehmenden Gemeinden identifizieren, um der Öffentlichkeit die Fortschritte aufzuzeigen. Interessierte Gemeinden können sich jederzeit bei der Emweltberodung Lëtzebuerg, Koordinator der Kampagne „Ouni Pestiziden", melden, um am Projekt teilzunehmen.
Teilnehmende Produzenten werden ebenfalls dazu verpflichtet, eine Charta zu unterschreiben, in welcher Produktionsbedingungen, Beratungsverpflichtungen und Kontrollmechanismen festgelegt werden. Beim Startschuss des Pilot-Projektes haben folgende Produzenten ihre Teilnahme bereits bestätigt:
Innoplantes
s.à.r.l.
1 Rue de la Forêt
L-5432 Kapenacker (Kapenaker)
Luxembourg
Tel : (+352) 26 74 76 50
Site Internet : www.innoplantes.lu
Fondation Kraizbierg
180, route
de Zoufftgen
B.P. 65
L-3401
Dudelange
Tel: (+352)
52 43 52 1
Site Internet
: www.kraizbierg.lu
Centre d'initiative et de Gestion local a.s.b.l
32a, rue
Zénon Bernard
L-4031
Esch-sur-Alzette
Tel : (+352)
621 411 370
Site
Internet : www.ciglesch.lu
Cooperative Lelljer gaart
Maison 30
L-9762
Lullange (Lëllgen)
Luxembourg
Tel: (+352)
99 47 84
Site
Internet : www.lelljer-gaart.lu
Forum pour l'emploi
20, route d'Ettelbruck
Tel: (+352) 80 48 85 1
Site Internet: www.fpe.lu
Kooperation zwischen der Kampagne „Ouni Pestiziden" und dem INDR (Institut national pour le développement durable et la responsabilité sociale des entreprises.
Hintergrund: Neben öffentlichen Akteuren können auch Unternehmen über größere Grünflächen verfügen, die gepflegt werden müssen. Des Öfteren wird dabei auf den, meist unsachgemäßen, Einsatz von Pestiziden zurückgegriffen. Das INDR, welches das ESR–Label (Entreprise Socialement Responsable) an umweltfreundliche, sozial gerechte und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen verleiht, hat sich dazu entschlossen dem Beispiel der Gemeinden zu folgen und den Pestizidverzicht auf Firmengeländen als Kriterium zur Vergabe des Labels in ihren Maßnahmenkatalog mit aufzunehmen. Demnach wird ein solcher Verzicht den Unternehmen, welche die Erlangung des Labels anstreben, zukünftig Punkte in den Kategorien „impact environnemental des surfaces non bâties" und „pollution sol et eau" einbringen. Die Kampagne „Ouni Pestiziden" begrüßt diese Entscheidung und unterstützt das INDR bei der Umsetzung dieser Maßnahmen und der fachlichen Beratung der Unternehmen.
Ziel ist es, durch Vernetzung und Austausch von Wissen, den pestizidfreien Unterhalt auch auf Firmenflächen zu fördern.
Merkblätter und (Straßen-) Schilder für Gemeinden und Unternehmen
Hintergrund: Ab dem 1. Januar 2016 ist der Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln auf öffentlichen Flächen in Luxemburg per Gesetz verboten. Gemeinden und Staat dürfen demnach beim Unterhalt dieser Flächen nicht mehr auf solche chemischen Produkte zurückgreifen. Dementsprechend müssen auch die Pflege- und Arbeitsmethoden konsequent angepasst werden. Die Kampagne weist darauf hin, dass diese Umstellung als Chance genutzt werden kann und sollte, um wieder mehr Platz für Natur im urbanen Raum zu schaffen. Ein begrüntes Lebensumfeld Denn der grüne, urbane Raum steigert nicht nur die Lebensqualität für die Bewohner/Besucher, sondern auch Insekten und Kleintiere erhalten hierdurch wieder einen Lebensraum.Auch Unternehmen können sich aus Rücksicht auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und aus Umwelt- und Naturschutzgründen dazu entscheiden, beim Unterhalt der firmeneigenen Außenanlagen und Grünflächen auf Pestizide zu verzichten.
Die technischen
Merkblätter und attraktiven (Straßen-) Schilder der Kampagne "Ouni
Pestiziden" sollen Gemeinden und Unternehmen bei dieser Umstellung
unterstützen. Die Merkblätter befassen sich jeweils mit einem spezifischen
Thema bzw. mit einem spezifischen Bereich des urbanen Raumes. Sie zeigen
vorwiegend alternative Pflegemethoden auf, wobei ein besonderes Augenmerk auf
die wichtigen Themen der „Toleranz" (Spontanvegetation) und der „Vorbeugung"
(Planung) gelegt wird. Chemische Beseitigungsmethoden müssen nämlich nicht
zwangsweis durch mechanische oder thermische Methoden ersetzt werden, denn eine
naturnahe Umgestaltung des urbanen Raums, alternative Pflegekonzepte und eine
Anhebung der Toleranzgrenze, lassen eine aufwendige Entfernung der auftretenden
Vegetation rasch überflüssig werden. Der Natur soll wieder mehr Platz zuteil
kommen. Good-Practice-Beispiele am Ende der Merkblätter bieten weitere
Ansatzmöglichkeiten und Inspirationen.
Das Thema "befestigte Straßen, Wege und Plätze" stellt das erste Merkblatt der Reihe dar und wurde bereits auf der Internetseite der Kampagne veröffentlicht. Weitere Themen, die jeweils al lose, erweiterbare Merkblätter erscheinen, sollen die Sammlung in den kommenden Monaten vervollständigen.
Ziel ist es, mit detailliertem Informationsmaterial und konkreten Praxisbeispielen die Gemeinden und Unternehmen bei der Umstellung auf die Pestizidfreiheit zu unterstützen.
(Straßen-) Schilder dienen der direkten Information und Sensibilisierung der Bürger und können das Image des Auftraggebers stark beeinflussen. Die zukünftige Pestizidfreiheit öffentlicher oder firmeneigener Flächen soll auch auf diesem Wege kommuniziert werden. Die von der Kampagne „Ouni Pestiziden" entworfenen Schilder sollen Sinn und Zweck der durchgeführten Maßnahmen an die Bürger oder Kunden weiter vermitteln.
In einem ersten Schritt werden sogenannte „Eye-catcher" Schilder ausgearbeitet, die an strategischen Punkten aufgestellt werden und einen hohen Wiedererkennungswert aufweisen. Später sollen dann spezifische Informationsschilder im gleichen wiedererkennbaren Design folgen, welche detaillierte Informationen über spezifische Projekte in der Gemeinde oder auf dem Firmengelände enthalten und an Ort und Stelle platziert werden können, um vor Ort über Änderungen bei der Landschaftspflege zu informieren. Die Schilder können bei der Emweltberodung Lëtzebuerg, Koordinator der Kampagne „Ouni Pestiziden", in Kürze in Auftrag gegeben werden.
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