Wettlauf gegen die Zeit

 

https://www.wort.lu/de/politik/ein-wettlauf-gegen-die-zeit-5bb327af182b657ad3b943a5

 

Von Roby Biwer, Präsident von natur&ëmwelt a.s.b.l.

Der „Earth Overshoot Day" rückt immer weiter nach vorne, die Biodiversität nimmt nach wie vor dramatisch ab, die Auswirkungen des Klimawandels werden deutlicher spürbar. Der französische Umweltminister Nicolas Hulot hat Ende August entschieden, das Handtuch zu werfen, da er sich alleine gelassen fühlte mit der Mammutaufgabe, die „Transition écologique" in seinem Land zu meistern. Auch hierzulande ist der Naturschutz bisher keinesfalls ein Schwerpunkt in der politischen Szene.

Am 14. Oktober sind Wahlen in Luxemburg. Deren Ergebnis kann eine neue Chance für den Naturschutz bedeuten oder einen fatalen Zeitverlust. Die aktuelle Regierung hat im Laufe der Legislaturperiode Verantwortung übernommen und die Umwelt nicht in die unterste Schublade verfrachtet. Dennoch ist insgesamt in den aktuellen Wahlprogrammen erschreckend wenig zu den Themenbereichen Umwelt-, Natur- und Klimaschutz zu finden. Die Wählerschaft scheint für kurzlebige Versprechen in Bezug auf Wirtschaft und soziale Aspekte empfindsamer zu sein als für den nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen. Nichtsdestotrotz muss seitens der Verantwortlichen mehr politischer Wille gezeigt werden, denn nur, wenn die nächste Regierung Natur- und Umweltschutz als Leitfaden ihrer Politik begreift, können wir in Luxemburg den nötigen Beitrag leisten.

Diese Entwicklung scheint besonders in Bezug auf die künftige Landesplanung von enormer Wichtigkeit. Eine weitere Zersiedlung der Landschaft muss unbedingt vermieden werden. Darüber hinaus nähert sich auf europäischer Ebene die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Die verantwortlichen Minister müssen sich im Rahmen dieser Verhandlungen für eine Wende einsetzen, die weniger auf reine Flächenprämien ausgerichtet ist, sondern die nachhaltigen Betriebe entlohnt und den Naturschutz in den Vordergrund stellt.

Auch national ist das Thema Landwirtschaft eine der größten Herausforderungen. Der Ausstieg aus dem Gebrauch von Pestiziden ist einer der wichtigsten Punkte, wenn es um Natur-, Wasser- und Bodenschutz geht und müsste demnach zur Priorität für den künftigen Agrarminister werden. Generell gilt es, den Anteil des Biolandbaus von seinen derzeit kläglichen 4,1 Prozent der bewirtschafteten Fläche auf mindestens 20 Prozent bis 2025 zu erhöhen: eine große Herausforderung, aber eine unabdingbare Voraussetzung für einen Paradigmenwechsel hin zu einem nachhaltigen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen.

Die Zeichen sind klar: Wenn wir nicht schnellstens handeln und den Schutz unserer Lebensgrundlage zur obersten Priorität ernennen, werden wir in wenigen Jahren die Leidtragenden sein. Eine horizontale Herangehensweise und die damit einhergehende Kohärenz in allen politischen Bereichen ist eine conditio sine qua non, um den Planeten nachhaltig zu schützen.

Aus: Rubrick "Mein Wunsch an die neue Regierung" im Luxemburger Wort am Mittwoch, 3. Oktober 2018 mit Roby Biwer, Präsident von natur&ëmwelt asbl.

 

Weitere Informationen zum Thema:

10.10.2018 Naturschutz wieder keine Priorität im Wahlkampf? Leserbrief von Laure Cales, Mitarbeiterin für politische Kampagnen und Projekte von natur&ëmwelt a.s.b.l. im Luxemburger Wort

21.09.2018 Naturschutz als Leitmotiv: Artikel im Regulus von Laure Cales,Mitarbeiterin für politische Kampagnen und Projekte von natur&ëmwelt a.s.b.l.

20.04.2018 Biodiversität als Lebensgrundlage: Wahlforderungen von natur&ëmwelt

 

 


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